In der Vitrine im Foyer sind frühe Entwürfe der Kostümbildnerin Barbara Baum zusammengestellt. Schon in jungen Jahren zeigte sich Barbara Baums künstlerische Begabung. Ihr Vater, Maler und Architekt, förderte ihr Zeichentalent. Ihre Tante arbeitete als Weberin und Stoffdesignerin. Sie weckte in Baum die Leidenschaft für Stoffe und Kleidung. Nach der mittleren Reife entschied sich Baum für eine Schneiderlehre, um das Handwerk von der Pike auf zu lernen. Ihre Gesellenprüfung bestand sie mit Bestnote und wurde an der Textil- und Modeschule der Stadt Berlin angenommen. Anschließend besuchte sie die Meisterschule für das Kunsthandwerk.
Während ihres Studiums hielt sich Barbara Baum mit ersten Auftragsarbeiten über Wasser. In dieser Zeit wohnte sie zur Untermiete in einer Wohnung, die einer Schauspielagentur gehörte, und traf so auf Schauspielerinnen, Schauspieler oder Regisseure. Gleichzeitig nähte sie Kostüme für die „Vaganten Bühne“ und für das „Theater am Kurfürstendamm“. Für die Inszenierung von Ionescos Die Nashörner entwarf sie die Kostüme der weiblichen Rollen.
Eine Schauspielerin riet ihr, sich beim Sender Freies Berlin zu bewerben. In der Kommission saß Günther Naumann, Szenenbildner und Ausstatter von Peter Lilienthal-Filmen. Baums erster Auftrag bestand darin, als Assistentin von Werner Juhrke Kostüme zu nähen, für Verbrechen mit Vorbedacht (BRD 1967, Regie: Peter Lilienthal). Beim nächsten Lilienthal-Film Jakob von Gunten (BRD 1971) wurde sie als Kostümbildnerin engagiert. Barbara Baums Karriere nahm ihren Lauf…
In der Vitrine links: ein quer liegendes, schwarzes Blatt Papier im Format DIN A1, darauf steht in weißem Großbuchstaben: „Schnittaufstellung zum Hochsommerkleid“. Darunter ist der Stoffverbrauch für eine Breite von 1,40 m berechnet: „1,85 m gelbes Leinen, 35 cm Futter für ein Cape, je 25 cm farbigen Besatz“. Rechts neben diesen Notizen: der Entwurf für das Hochsommerkleid, ein eng anliegendes, wadenlanges Trägerkleid, das vorn durchgehend geknöpft ist. Die Schultern bedeckt eine Pelerine, die bis über die Oberarme fällt. Im unteren Teil des schwarzen Papiers sind Schnittmuster für Kleid und Futter aufgezeichnet.
Rechts daneben: zwei Entwürfe im Hochformat. Die Tusche-Skizzen auf weißen Bögen liegen auf schwarzem Tonpapier. Die obere zeigt ein stark tailliertes Tageskleid mit breitem Stoffgürtel; die untere einen Damen-Hausanzug im Kimonostil: Über einer engen Hose ist ein hochgeschlossenes Oberteil mit weiten langen Ärmeln skizziert. Die Taille wird durch einen breiten Stoffgürtel betont.
Rechts davon liegen drei kolorierte Entwürfe für:
– einen weißen Regenmantel mit schwarzen Punkten und breitem schwarzen Gürtel;
– einen weiten Abendmantel aus rotem Samt mit Dreiviertelarm
– und für eine beige Regenkombination, bestehend aus engem Rock und hüftlanger hochgeschlossener Pelerine.
Im rechten Teil der Vitrine, zwei Entwürfe früher Auftragsarbeiten. Ein Entwurf zeigt ein blaues Tweed-Kostüm mit Stoffproben in Blautönen sowie auf einem Stück Papier ein Pinselstrich in blauer Aquarellfarbe. Unter den Stoffproben die Notiz: „Zu diesem Tweed-Kostüm (ein französischer Stoff) habe ich den Blusen-Georgette extra nach meiner Farbangabe einfärben lassen! Die Kundin hat wunderbares rotblondes Haar!“ „Rot“ ist doppelt unterstrichen. Neben der Skizze liegt ein Kontaktabzug mit sechs Mini-Fotos in Schwarzweiß, auf dem der enge Rock des Kostüms von einem Mannequin präsentiert wird. Der Rockbund reicht von der Taille bis unter die Brust; zwei Träger führen über die Schultern und kreuzen sich auf dem Rücken.
Unterhalb liegt der Entwurf für ein langärmliges Kleid. Eine Knopfleiste verläuft von der linken Schulter abwärts bis unter die Taille. Im Rock vorn ein Gehschlitz. Die Stoffprobe zeigt ein florales Muster in Blau, Grün und Rosa. Barbara Baum notierte hierzu: „Dieses Kleid ist ein ganz federleichtes, rein seidenes, sehr weites Kleid, das nur durch den Gürtel zusammengehalten wird. Wirkt dadurch auf dem Foto etwas dick.“ Links neben der Skizze ein schwarzweißer Kontaktabzug mit sechs Mini-Fotos, die ein Mannequin in diesem Kleid zeigen.
Daneben sind vier Entwürfe für Baums frühe Arbeiten fürs Theater ausgestellt. Baum stattete die weiblichen Figuren für das Stück „Die Nashörner“ von Ionescu aus, das von Wolfgang Spier am „Theater am Kurfürstendamm“ inszeniert wurde. Ausgelegt sind je drei Skizzen für die Rollen der „Daisy“ und eines für „Die Hausfrau“. Oben links: ein kurzärmliges, knielanges Sommerkleid für Daisy im I. Akt. Es ist von der linken Schulter bis zum Saum durchgeknöpft. An das Blatt geheftet: ein rosa Stoffmuster. Rechts daneben für den II. Akt im Büro: eine helle Bluse mit dunkel gepunkteter Schleife am Hals und ein knielanger Rock mit Gürtel und Gehschlitz vorn. Dazu zwei Stoffmuster: ein schwarzes und ein dunkles mit weißen Punkten. Für ihre Rolle im IV. Akt: ein dunkel kariertes Kostüm mit dunklem Pullover. Am Rand: ein Stoff mit Pfeffer- und Salz-Musterung. Die Skizze für Die Hausfrau im I. Akt zeigt ein vorn bis unter die Taille geknöpftes Kleid mit schmalem Gürtel und weitem Faltenrock. Über den Schultern liegt ein breiter gefältelter Kragen. Die engen Ärmel reichen bis zu den Handgelenken und sind an den Enden mit breiten Volants verziert. Als Kopfbedeckung: ein turbanartiger Hut mit Schleife über der Stirn.








