In dieser Vitrine sind Entwurfsskizzen zu fünf Filmen von Rainer Werner Fassbinder zusammengetragen. Von links nach rechts: Die Ehe der Maria Braun, Berlin Alexanderplatz, Lili Marleen, Lola und Querelle.
„Für seinen ersten historischen Film, Fontane Effi Briest (BRD 1972–74), suchte Fassbinder nach einer professionellen Kostümbildnerin. Die Schauspielerin Hanna Schygulla schlug Barbara Baum vor. Bei ihrem ersten Treffen verlangte der Regisseur keine Referenzen, sondern stellte Baum detaillierte Fragen nach einzelnen Kostümen. Sie überraschte ihn mit präzisen Kostümvorstellungen. Spontan besprachen beide das gesamte Drehbuch. Es war der Beginn einer intensiven künstlerischen Arbeitsbeziehung. Fassbinders Vertrauen war so groß, dass er vor Drehbeginn keine Zeichnungen und Entwürfe von Baum sehen wollte. Bis zu seinem Tod 1982 arbeitete sie fast ausschließlich für ihn.“
Barbara Baum über die erste Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder an Fontane Effi Briest
Ganz links, Film 1, Die Ehe der Maria Braun: Mehrere Skizzen auf Transparentpapier zu Kostümen für Hanna Schygulla in der Titelrolle. Ein Blatt zeigt ein kurzärmliges stark tailliertes Kleid mit schmalem V-Ausschnitt und leicht ausgestelltem Rock. An das Blatt geheftet sind Stoffproben in Schwarz und in rotem Karomuster. Auf einem weiteren Blatt befindet sich die Skizze zu einem Kostüm mit ausgestelltem wadenlangen Rock und schwarzem Jäckchen mit Glockenschnitt. Auf einem Doppelbogen darunter: der Entwurf des blauen Abendkleides mit langärmligem Spitzenoberteil. Das wadenlange Kleid mit Spaghettiträgern ist eng geschnitten. In den Rock sind unterhalb des Knies keilförmige Spitzeneinsätze, sogenannte Godets eingearbeitet, daneben die Notiz: „Glocken Blank und Spitze“.
Film 2: Berlin Alexanderplatz.
Auf dem Deckel eines schwarzen Notizbuchs hat Baum notiert, dass sie während der Dreharbeiten für Maria Braun die Kostüme für Berlin Alexanderplatz vorbereitet. Rechts neben dem Notizbuch liegt der Anzugentwurf für Günter Lamprecht in der Rolle des Franz Biberkopf. Auf dem Transparentpapier neben der Skizze, eine Notiz von Baum: „Anzug drei Mal herstellen für Unfall. Er hat noch zwei Arme. Plus eine weitere Form, wenn der Arm amputiert ist. Buch 7, Bild 99.“ Neben der Skizze: ein Polaroid, darauf ist Günter Lamprechts Oberkörper zusehen. Um den Bauch hat er eine orthopädische Vorrichtung für den zu verbergenden Arm. Am unteren Vitrinenrand: zwei Entwürfe für Damenkleider. Sie zeigen Skizzen für die Rolle der Eva, gespielt von Hanna Schygulla. Das Kleid mit V-Ausschnitt hat lange, glockenförmig auslaufende Ärmel. Der schwarze Rock ist glockenförmig ausgestellt. An die linke Seite des Blattes sind zwei Stoffproben geheftet. Die Skizze daneben zeigt das Kleid für Barbara Sukowa in ihrer Rolle als Mieze. Zu diesem Entwurf gibt es eine taktile Grafik. Sie befindet sich vor der Bühne 9 links. Dargestellt ist auf der linken Hälfte der Zeichnung die Vorderansicht des Kleides, auf der rechten, etwas kleiner, die Rückansicht. In der rechten unteren Ecke befindet sich die Skizze eines Strohhuts mit breiter Schleife. Der Entwurf zeigt ein ärmelloses knielanges Kleid. Das gerade geschnittene Oberteil reicht bis zur Hüfte, dort setzt der leichte Rock an, bestehend aus zwei Volants mit keilförmigen Einsätzen. Daneben notiert Baum: „Rosa Tüllspitze“. Mit dieser Tüllspitze ist auch der tiefe V-Ausschnitt unterlegt. Ein Schleifchen ziert die Spitze des Dekolletés. Auch an diesem Blatt heften am linken Rand zwei Stoffproben: oben die rosa Tüllspitze, darunter ein weißer Musselin.
Film 3: Lili Marleen
Ausgestellt sind drei Entwürfe zu Kostümen für Hanna Schygulla als Willi und ein Notizbuch zum Film. Die erste Skizze zeigt ein enganliegendes Neckholder-Abendkleid mit kurzer Schleppe. Am linken Rand des Entwurfs ist eine blaue Stoffprobe befestigt. Baum notiert dazu: „Abendkleid aus königsblauem Crêpe de Chine mit feinen Goldfäden; Stickereiornamente und Konturen: nachtblaue Pailletten.“ Rechts neben der Skizze liegt Baums aufgeschlagenes Ringnotizbuch mit einem Foto von Hanna Schygulla in diesem Kleid, das sie in der Szene im Sportpalast 1942 zeigt. Unterhalb des Notizbuches sind zwei weitere Entwürfe platziert. Der Linke zeigt mittig sehr groß die Vorderansicht des Abendkleides aus Silberlamé. Zu diesem Kleid befindet sich eine taktile Grafik vor Bühne 9 rechts. Neben der Vorderansicht befinden sich links: die kleinere Skizze der Rückansicht, rechts die Kopfbedeckung im Profil. Darüber eine Reihe von Notizen: „Sportpalast 1944, ‚Letzter Auftritt‘, Drehtag 11.08. 1980. Das Kleid muss hauteng sein. Es muss so wirken, dass sie vom Kleid zusammengehalten wird. Oberteil: vorne und hinten, gerade geschnitten. Sattel: schräg. Ärmel: übertrieben stark gepolstert. Rock: vorne und hinten, Mittelnaht schräg. Turban: muss sämtliche Haare verdecken. Stickerei: Ranken aus silbernen Pailletten.“
Rechts neben diesem Entwurf liegt der für den Kasack aus Crêpe de Chine mit Goldlamé-Tupfen, mit einer Probe des Stoffes, dessen Motiv einem Meer dicht stehender Margeriten ähnelt. Diese Entwürfe signiert die Kostümbildnerin, wie alle nachfolgenden in dieser Vitrine, mit ihren Initialen „B. B.“, links und rechts neben einem skizzierten Baum, ihrem Markenzeichen.
Film 4: Lola
Untereinander: zwei Entwürfe für Barbara Sukowa in der Titelrolle. Oben die Skizze für ein knielanges Jerseykleid. Das Oberteil hat kurze Ärmel und eine Schleife an der linken Schulter. Der enganliegende Rock läuft seitlich in Godets aus. Eine zweite Vorderansicht daneben zeigt das Kleid in Kombination mit einer Stola. Die Rückansicht befindet sich im unteren Teil des Blattes, daneben die Signatur.
Darunter die Skizze zu einem Sommerkleid aus Organdy. Sie zeigt das Kleid links in Vorder- und rechts in Rückansicht. Links unten: Baums Signatur, rechts daneben Anmerkungen zum Kleid: „Duftiges Organdikleid mit Petticoat und daran angearbeiteter Korsage.“ Im Entwurf ist diese im Oberteil angedeutet. Das Kleid hat angeschnittene Ärmeln und einen Bubikragen. Ein Gürtel mit Schleifenverschluss vorn ziert den Übergang zu einem weiten Glockenrock. Diese Entwurfsskizze ist vor Bühne 9 in der Mitte als taktile Grafik ausgestellt.
Film 5: Querelle
Präsentiert werden drei Skizzenblätter im Format DIN A4. Das erste für Jeanne Moreau in ihrer Rolle als Lysiane zeigt den Entwurf eines Negligés. Skizziert ist ein sehr kurzes Trägerkleid. Baum notiert rechts unten auf dem Blatt: „Hauchdünner Georgette, reine Seide schwarz“. Über dem Trägerkleid liegt ein durchscheinender Mantel, der in eine Schleppe ausläuft. Baums Notiz: „Oberteil: Spitze schwarz – im Rockteil: Spitzenmotiv appliziert“.
Ein weiteres Blatt zeigt den Entwurf des „Schlangenkleides“, ebenfalls für Jeanne Moreau. Hier nimmt die Vorderansicht des eng anliegenden schulterfreien Kleides den Großteil des DIN A4-Blattes ein. Das Dekolleté ist mit einem durchsichtigen Stoff bedeckt, der in einen Stehkragen mündet. Zwei Skizzen der Rückansicht ergänzen den Entwurf. Am linken Blattrand: ein Stück des dunklen Ausbrennersamts, der mit einem Schlangenmuster bedruckt ist.
Das dritte Entwurf zeigt die Marineuniform für Franco Nero als Leutnant Seblon: eine doppelreihig geknöpfte Uniformjacke mit Schulterstücken und Fangschnüren um die rechte Schulter.














